PG Güntersleben - Thüngersheim

Vor 30 Jahren wurde das Geläute unserer Pfarrkirche Erzengel Michael von drei auf fünf Glocken aufgestockt. Mit der Gottesdienstordnung vom Osterfest 1988 teilte Dekan Pfarrer Werner Siegler seiner Pfarrgemeinde Thüngersheim folgendes mit:

„1978 bis 1981 haben die Thüngersheimer unter Geistl. Rat Hans Carl ihre Kirche erweitert und das Pfarrhaus gebaut. Die Orgel erhielt damals vier neue Register. In diesem Jahr wird der krönende Abschluss möglich, die Vollendung unseres Geläutes. - Zwei neue Glocken wurden gestiftet! – Eine zu Ehren St. Kilian, Kolonat und Totnan und eine zu Ehren der Muttergottes. Unser Geläute wird ab Herbst fünfstimmig sein. Die statischen Voraussetzungen von Turm und Glockenstuhl wurden amtlich geprüft. Die Kirchenverwaltung hat die Schenkung der beiden Glocken angenommen. Das Bischöfliche Ordinariat hat die Anschaffung genehmigt. Der Glockenguss soll noch vor den Sommerferien in Passau sein. Die Glockenweihe ist für den Michaeli-Sonntag, 25.09.1988, vorgesehen. …“

Im Monat Juni teilte die Glockengießerei Perner in Passau mit, dass am Freitag, 15.07.1988, die Glocken für unsere Kirche gegossen werden. „Einer lieben Tradition zufolge laden wir Sie zu diesem denkwürdigen Ereignis recht herzlich ein.“

In Passau mit dabei waren aus unserer Gemeinde Dekan Pfarrer Werner Siegler, Bürgermeister Albert Dausacker, dessen Gattin Katharina Dausacker, Elisabeth Baus, Siegfried Eck, Josef Kraft und Franz Zeyer. Ein Glockenguss geschieht auch heutzutage noch immer fast genauso wie Friedrich von Schiller diese uralte Kunst in seinem „Lied von der Glocke“ beschrieben hat. An einem solchen Tag, „an dem die Glocke werden muss“, mit dabei zu sein, ist noch immer ein eindrucksvolles Erlebnis.

Nun war es soweit: Spannungsvoll stand jeder an seinem Platz. Dieser Moment hatte einen weihevollen Charakter! Freitag, 15.00 Uhr. Nach dem gemeinsam gebeteten „Vater unser“, dem „Ave Maria“ und dem Segensgebet der vier anwesenden Priester wurde der Zapfen des Ofenloches ausgestoßen und das glühende Metall ergoss sich durch die Gußkanäle in die aus dem Boden ragenden Öffnungen der Glockenformen: „Rauchend in des Henkels Bogen schießt’s mit feuerbraunen Wogen.“

Am Sonntag, 25.09.1988, an dem des Kirchenpatronatsfest St. Michael begangen wurde, fand die feierliche Glockenweihe durch Herrn Generalvikar Prälat Heribert Brander auf dem Platz zwischen Pfarrheim und Kindergarten statt. Der Dienst, den sie in unserer Gemeinde verrichten sollen, wird in dem Gebet genannt, mit dem bei der Glockenweihe Gott um den Segen für die Glocken angerufen wird: „Sie sollen deine Gemeinde zum Gottesdienst rufen, die Säumigen mahnen, die Mutlosen aufrichten, die Trauernden trösten, die Glücklichen erfreuen und die Verstorbenen auf ihrem letzten Weg begleiten.“

Die Vergrößerung des Geläutes von drei auf fünf Glocken hat unserer Gemeinde auch eine reichere Variabilität in Motivwahl und Läuteordnug geboten. Unter Mitwirkung des damaligen Glockensachverständigen der Diözese Würzburg, Herrn Dipl.-Ing. Siegfried Issig, wurde daher eine neue Läuteordnung erstellt. Die Glocken läuten nun in mehreren Läutemotiven zwischen dem dreistimmigen „Gloria-Motiv“ und dem Vollgeläute.

Nicht nur die Würzburger Presse interessierte sich für unser schönes 5-stimmiges Geläute, sondern auch der eine oder andere Glockenfreund. So hat z.B. ein Interessierter aus dem Ldkr. Würzburg unser 14-Uhr-Läuten an einem Samstag (Einläuten des Sonntags) aufgenommen und sodann in das Internet gestellt. Auch der Bayer. Rundfunk hat am 26.02.2006 mit dem „Zwölfuhrläuten“ aus Thüngersheim sein Interesse gezeigt.

In dankbarer Freude gedenken wir dem Stifter oder der Stifterin der beiden Glocken vor 30 Jahren. Lassen wir uns von Klang der Glocken berühren, rufen und mahnen.

Bleibt noch zu danken den Mesnerinnen und Mesnern, die sich am meisten um die Glocken kümmern, sie regelmäßig läuten und für die Einhaltung der Läuteordnung Sorge tragen. Auch werden von ihnen beim Zusammenläuten der Glocken die Regeln des Ein- und Ausschaltens beachtet, die besagen: Die Glocken sollten beginnend mit der kleinsten, nacheinander eingeschaltet und in der gleichen Reihenfolge wieder ausgeschaltet werden.

Mögen unsere fünf Glocken den Thüngersheimern noch lange zu friedlichen Zeiten läuten: AD MATOREM DEI GLORIAM – zu größeren Ehre Gottes.

(Franz Zeyer)

 

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